Alte Heimat

Als ich 1994 endlich den Entschluss fasste und mir eine eigene Wohnung suchte,ging alles ganz schnell.

Ich suchte mir die erste Wohnung die halbwegs gefiel und bezahlbar war.

Da ich im Haus meiner Eltern am Rande Berlins wohnte und ich jung und Lebensdurstig war,mußte ich unbedingt in die große Stadt ziehen die ja quasi vor unseren Füßen lag.

Vorbei das Vorstadtleben in dem man erstmal 45 Minuten in die Stadt fahren mußte und abends beim Einschlafen nichts anderes hörte als seinen eigenen Atem.

Raus aus dem Dorf und rein in die Stadt ,die genau richtig war für jemanden ,der endlich mal ins eigene Leben starten wollte und alle Möglichkeiten nahe haben wollte und mitten ins Leben ziehen wollte.

Zu Anfang war es meine Wohnung ,denn meine Freundin die ich damals hatte ,wohnte weit weit enfernt und kam mich nur regelmäßig übers Wochenende besuchen.

Die Freundin dannach wohnte dann schon näher und wohnte ebenfalls noch bei den Eltern ,sodass wir beiden Lebenshungrigen uns dann in meine 30 Quadratmeter Einzimmerwohnung stürzten und nun geimeinsam in der großen Stadt wohnten und mitten im Leben waren.

Dann war es „unsere“ Wohnung.

Das gemeinsame Leben in dieser Wohnung verlief nur über ein Jahr ,da wir uns dann nach etwas ruhigerem umsahen und etwas größerem…nicht so direkt in der Stadt.

Aber dieses Jahr war ein Intensives und ein (fürs Leben) neues Jahr in der wir gemeinsam unsere ersten Schritte in einem Leben abseits des Elternhauses machten in totaler Eigenregie und Eigenverantwortung.

So wurde die erst wilde Ecke in der Stadt zu unserem Kietz in dem wir viele vom sehen her kannten und unsere Plätze,Parks und Lieblingsimbissbuden hatten.

Wie gesagt eine sehr intensive Zeit ,als man das Leben entdeckte.

Wir beide steckten noch in der Ausbildung,feierten aber fast öfter krank als wir die Schule besuchten um das Leben genießen zu können und frei zu sein und genug Zeit zu haben für die angenehmen Dinge des Lebens.

Immerhin fiel ja die Kontrollmöglichkeit der Eltern weg.

Nun ist es 10 Jahre her.

Heute bin ich froh ,das ich aus dieser Karnickelbuchte raus bin und diese Gegend zwischen Flughafen,Stadtautobahn und direkt an einer großen 4 Spurigen Hauptstraße hinter mir gelassen habe.

Bisher habe ich mich Wohntechnisch immer weiter verbessert ,aber die Erinnerungen an „meinen“ Kietz der Anfangszeit in dem man „lernt selbt zu fliegen“ sind ungebrochen.

In unregelmäßigen Abständen zieht es mich in diesen Kietz zurück.

Mal alle paar Monate ,dann vergehen wieder 2 oder mehr Jahre.

Nun war es wieder so weit und genug Zeit ist vergangen um dem alten Kietz wiedermal zu besuchen.

Die Freundin ist genauso Vergangenheit ,wie die gemeinsame Wohnung und die Zeit in der wir damals lebten.

Aber hin und wieder fahre ich extra hin um mich umzusehen ,was es noch gibt und besuche unsere alten Plätze.

Da gehe ich in unserer Bude was essen und der Chef erkennt mich sogar noch.

Die Straßen langschlendern, die Gegend in sich aufsaugen.

Ein bisschen Kopfschüttelnd ,was einen damals genau hier in diese Gegend hat ziehen lassen und in der nächsten Sekunde überkommt einem das Gefühl das die Antwort auf diese Frage mit sich bringt,denn man kann sich noch genau erinnern wie es damals hier war.

Dann sitze ich noch in unserem alten Park und starre lange auf den kleinen Teich und mir fallen viele Dinge von früher ein ,die ich hier so erlebt habe.

Mir wird bewußt ,wie flexible ,wie unternehmungslustig und energiegeladen ich damals doch war.

Dagegen komme ich mir heute wie ein dicker träger alter Mann vor.

Dann wird mir bewußt ,wie die Zeit vergeht und was (nicht) 10 Jahre bedeuten.

Und mir wird bewußt das die letzten 5 Jahre schneller vergangen sind als die 5 Jahre davor.

Ich kann mich in solchen Situationen gut an das Lebensgefühl von damals erinnern.

Irgendwann betrachte ich die Zeit ,die ich hier verbracht habe ,als Teil meines ganzen Lebens (bisher).

Hier hatte ich eine tolle Zeit,die vorbei ist ,die ich auch nicht zurück haben will ,aber ich mich gerne an sie erinnere.

Eine andere Welt ,dieser Kietz ein anderer Planet eine andere Zeitrechnung….eine andere Zeit…und das nur 20 Fahrminuten von meinem heutigen Leben entfernt.

Zu Hause bin ich dann froh wieder in meinem Leben heute angekommen zu sein.

Ich bin froh ,das das Leben seit dem sich immer weiter zufriedenstellend und spannend und schön weiterentwickelt hat.

Aber die schöne Erinnerung an einen Teil meines Lebens bleibt.

Dieser Kietz ist ein pulsierendes Mahnmal dafür.

Dieser Ort bleibt wohl ein Teil meines emotionalen leben und er bleibt mir als erste Stufe meines Lebens in Erinnerung auf der großen Treppe ,auf der ich mich immer noch befinde ………..

…in diesem Sinne..Danke fürs Lesen

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